Canfranc
Spanien
Canfranc 2

Introductón:

1882, lang, lang ist`s her. Der erste Spatenstich wurde getätigt, doch wofür? Spaniens König Alfonso XII setzte ihn, den ersten verwertbaren Aushub von Erde für ein Machwerk von ungeahnten Ausmaßen: Dem Bahnhof von Canfranc. Nun fragt sich der geneigte Leser, was so Besonderes an einem Bahnhof zu finden ist, doch dazu mehr in diesem Bericht.

Porqué nuevo?

1997 wars, bedingt durch einen Bericht, den mein guter Freund Jochen gelesen hat, nahmen wir uns die Zeit bei einem Urlaub im Südwesten Frankreichs den Bahnhof Canfranc zu besuchen. Das sollte ungeahnte Folgen haben! Untergebracht in der „Moulin de Aries“ bei den van der Weydens nahmen wir mit dem BMW Z1 die Fahrt nach Canfranc auf. Knapp 200km sollten überwunden werden, es wurde eine nachhaltige Zeitreise. Als bahnsinnig zu bezeichnende Menschen hatten wir schon allerhand zu fotografieren, noch bevor wir überhaupt diesen magischen Ort auf spanischer Seite erreichten. Was gabs da an Strecke zu bestaunen, Brücken, stillgelegte Bahnhöfe, verwunschene Viadukte, Tunnelportale - wir fühlten uns wie auf einer guten Modelleisenbahn. Auf? Ja, auf! Erste Impressionen von 1997. Die Bilder zeigen Streckenabschnitte auf französischer Seite. Wir haben uns erlaubt, auf Grund der sehr hohen Anzahl von Bildern, den Bild- und Textauschnitt zum restlichen Seitenlayout zu verbreitern. So ergibt sich eine bessere Übersicht.

Schienenführung über eine Brücke, links unten im Tal zu erkennen:

Der alte Bahnhof Les Forges d` Abel, wieder restauriert und in 1997 als Wohngebäude genutzt.:

Eine der vielen imposanten Bogenbrücken für die Eisenbahnlinie Pau nach Zaragossa:

Das Fort du Portalet, direkt an der Straße Richtung Canfranc. Ein beeindruckender Bau:

Entlang der ges. Strecke erspäht man Brücken und Tunnelportale. Teils ist man verwirrt, weiss gar nicht mehr, auf welcher Seite der Straße müsste nun die Bahnlinie entlang führen:

Eine kleine Rast bei der Erkundungstour in 1997. Baguette und Fleischwurst waren immer dabei:

Und immer wieder entdeckt man ein neues Tunnelportal, wie dieses schöne Exemplar:

Der Lac d`Anglus, 1997 noch direkt von der Straße aus erreichbar, heute führt rechts daneben der große Tunnel unterirdisch vorbei, viele Menschen werden ihn deshalb gar nicht mehr wahrnehmen, schade:

Und wo liegt dieser Ort nun genau? Karte des Programms: Tyre:http://www.tyretotravel.com/

Kartenausschnitt aus dem Programm Tyre. Die Genehmigung zur Nutzung liegt mir in der Schriftform vor, vielen Dank dafür an Jan Boersma.

Wir ahnten ja noch nicht, welch historisch herausragendes Gelände wir hier befuhren, besichtigten, erkunden durften.

Irgendwann war es dann endlich soweit, wir waren angekommen, angekommen in einem Ort, der eigentlich ein Dorf ist, ein kleines Fleckchen Erde, ein paar Häuser, aber auch Hotels, mit wenig Einwohnern… Dann, mitten im Ort erspähten wir eine Brücke, ein Übergang zum Bahnhof, zu DEM Bahnhof!

OK, einen Bahnhof haben viele Orte, auch Dörfer, nur, das war nicht nur ein Bahnhof, das war etwas Anderes, ein Monument, ein Bollwerk, ein Machwerk!

Bollwerk? Naja, ursprünglich bezeichnet der Begriff Bollwerk einen Bau, der sich auf Bohlen stützt, nee, nicht den Dieter, die aus Holz! Als Bollwerk wird aber auch etwas betrachtet, was als Festung gilt, was schützt. Und da kommen wir auf den historischen Punkt. Hier wurde sowohl das Raubgold der Nazis an die Spanier und Portugiesen gegen Wolfram verschoben, als auch Juden zur Flucht verholfen, also ein Schutz fürs Gute und Böse ermöglicht, doch davon später mehr. Um der Überschrift gerecht zu werden, wir erkundeten den Bahnhof, hatten Gelegenheit vom Bahnhofswärter einen Schlüsselbund zu erhalten, mit dem wir ins Innere gelangten. Ins Innere dieses Machtwerkes, einem Bahnhofsgebäude, welches 241 Meter an Länge misst ( Ein Bauplan aus dem Jahre 2004 spricht gar von knapp 260 Metern )! Das Gebäude beherbergte den Bahnhof, ein nobles Hotel, sowie ein Krankenhaus! Das ist aber noch nicht alles. Um uns herum waren unendlich erscheinende Schienenwege, Lagerhallen, Kräne, einen Ringlokschuppen uvm. vereint. Alles auf einem Gelände, welches in der Größe so gar nicht zu diesem unscheinbaren Ort passte.

Wir verinnerlichen, Canfranc war nach Leipzig der 2. größte Bahnhof Europas!

Unfassbar, was sich uns vor die Kameralinse schob. Ob Marmortreppen, Verkaufsstellen aus edlen Hölzern, es war für uns nicht möglich, zu verarbeiten, dass dies alles einfach so vor sich hin vegetierte. Die Natur nahm, was sich ihr bot. Doch warum war das so? Dazu mehr in der Geschichte des Bahnhofs.

Nachfolgende Bilder des Bahnhofs und des umgebenden Geländes sind aus dem Jahre 1997: Das Bahnhofsgebäude, unheimlich groß und imposant, aber dem Verfall preisgegeben. Auch 1997 befuhr hier nur noch ein Zug aus Spanien das Gleis. Damals war die Station noch im Hauptgebäude, der Zug hielt direkt am Bahnsteig des Hauptgebäudes an:

Der Bahnsteig im Sommer 1997. Das große Canfranc Schild, haben wir übrigens 2014 wiedergefuinden, abgebaut und in einer der Hallen dem Verfall Preis gegeben....

Eine der Unterführungen, hier zwischen Vorgebäude und großer Halle im Bahnhof:

Ein Blick auf die französische Seite des Bahnhofes. Die andere Seite galt den Spaniern. Das musste so sein, weil Spanien und Frankreich unterschiedliche Spurweiten genutzt haben. Alles musste umsteigen und umgeladen werden! Schon Wahnsinn, wie sich die Natur seit 1970 ihren Anteil zurückeroberte... Warum 1970? Mehr dazu in der Geschichte zum Bahnhof!

Wir hatten die Idee freundlich zu fragen, ob wir den Schlüssel bekommen würden, um uns das Gebäude mal von innen anzuschauen. Zu unserem Erstaunen war das gar kein Problem! In der Haupthalle fanden wir dann den ganzen Prunk der frühen Jahre. Marmor, wohin man schaute, edle Hölzer der Fahrkartenstationen, sogar Unmengen alter Unterlagen waren zu finden. Es sah aus, als ob jemand ein Signal gab, alle Menschen flohen und die Türen verschlossen wurden.

Die schmucken Verzierungen des Stucks an den Wänden, die aufwendig gestaltete Marmortreppe, all das war für 27 Jahre ungenutzer Ruhe noch gar nicht so vergammelt. Vorne an der Treppe sieht man, dass hier wohl vier Säulen erneuert wurden, sie sind wesentlich heller, als der Rest der Säulen.

Benötigt noch jemand eine Fahrkarte in die Freiheit? Diese Worte haben ein Gewicht, wie die Geschichte schreibt....

La historia:

Wie eingangs schon berichtet, 1882 wurde vom damaligen spanischen König Alfonso XII. der Spatenstich für eine historische Bahnstrecke getätigt. Es sollte bis zum 18. Juli 1928 andauern, bis der spanische König Alfonso XIII, zusammen mit dem französischen Präsidenten Gaston Doumergue die Bahnstrecke von Pau nach Saragossa einweihte.

Obiges Bild findet man in der Ausstellung der Haupthalle, Stand 2014.

Die Idee erlag, wie so oft, der Realität. Die berechneten Besucher blieben leider aus, zu langwierig war die Fahrt durch die enge Strecke, gespickt mit Tunneln, Kehren und Schleifen, sie brachte nicht den gewünschten zeitlichen Erfolg. Hinzu kamen mehrfache Unterbrechungen, sei es aus politischer Natur, oder aus kriegshistorischen Momenten heraus.

Der Krieg brachte historisch relevante Momente in die Geschichte dieses Bahnhofs. Das konnte erst sehr viel später, am Ende des 2 Jahrtausends ausgemacht werden und dies nur durch einen aufmerksamen Busfahrer. Doch was hatte ein Busfahrer mit der Aufklärung der Geschichte dieses Bahnhofs zu tun? Nun, an einem Tage im November 2000, der französische Busfahrer Jonathan Díaz hatte gerade seine Mittagspause, fand er im Gelände ein paar Unterlagen. Nichts ahnend und dem Regen trotzend nahm er sie mit nach Hause. Dort angelangt betrachtete er sie und bekam eine erste Ahnung davon, welch historisch wertvolle Pausen ihm dort in die Hände gefallen sind. Es handelte sich um Pausen von Dokumenten, die bewiesen, dass die Deutschen, die Nazis, im Krieg Tonnen von Gold, später stellte sich heraus, es sollte sich um das sog. Raubgold handeln, nach Spanien und Portugal verschoben, um dort das so wichtig für die Waffenindustrie nötige Wolfram erhaschen. Er fuhr in der nächsten Nacht wieder nach Canfranc und suchte nach den restlichen Pausen, die er auch fand! Zu Hause recherchierte Díaz und war wohl der erste Mensch im neuen Jahrtausend, der erfuhr, dass die Nazis 86,6 Tonnen des Raubgoldes von Deutschland nach Spanien und Portugal verkauften, um an ihr ersehntes Wolfram zu gelangen, 86,6 Tonnen! Eine Aufzeichnung, die als Text im Bahnhof Canfranc zu bestaunen ist, gibt Unglaubliches Preis. Darin ist die Rede davon, dass die Nazis insg. mindestens 12 Tonnen Gold und 4 Tonnen Opium an Spanien lieferten. In Richtung Portugal spricht man von 74 Tonnen Gold, 44 Tonnen Waffen, 10 Tonnen Uhren, die den Juden geraubt wurden. Unglaublich!

Anbei Fotos dazu, ebenfalls in der Ausstellung 2014 in der Haupthalle zu finden. Hier sind Teile der gefundenen Dokumente ersichtlich, aber auch ein Text, der das Ganze erklärt:

Zur Veranschaulichung habe ich die Ausschnitte vergrößert:

Und der dazugehörige Text, leider in minderer Qualität:

Aber auch das sollte noch nicht alles sein. Im Krieg diente Canfranc als Umtriebsplatz für zahlreiche Agenten. Das im Bahnhof eingebettete Lokal hatte den Ruf eines 2. Casablancas. Hier trafen sich die Agenten, übergaben wichtige Dokumente, die dann weiter transportiert wurden, u.a. nach San Sebastian, dort wurden sie dem britischen Konsul übergeben.

Dazu eine Aufnahme aus dem Jahre 1997, man wartet förmlich darauf, dass hier jemand ganz leise sagt: “Spiels noch einmal Sam!”

Auch andere Orte waren von strategischer Bedeutung, um die Alliierten mit den wichtigen Infos zu versorgen, wie die Landung der Alliierten in der Normandie vorzubereiten sei. Unter den Agenten waren auch Personen, die in Canfranc gelebt haben. Eine von ihnen war Lola Pardo. Sie hatte schon als Kind die Aufgabe wichtige Dokumente an ihrem Körper via Bahnreise zu verstecken. Sie reiste regelmäßig mit ihrer Mutter nach Saragossa, um die Dokumente dem Militärpfarrer Pater Planillos zu übergeben. Canfranc trug somit auch zur Beendung des dritten Reiches bei. Viele Agenten wurden gefasst, überlebt haben die, die nicht an die Deutschen ausgeliefert, sondern in Spanien verurteilt wurden. Die Gestapo hatte hier nicht den Einfluss, den sie sich gewünscht hatte. Leider befand sich Franco auf der Seite von Hitler, sonst wäre der Krieg wahrscheinlich deutlich früher zu Ende gewesen. Auch Josephine Baker, geprägt durch frühe Erlebnisse in den USA, war für die Résistance in Frankreich tätig. Ihre Wege führten ebenfalls über Canfranc!

Anbei ein Bild aus der 2014er Ausstellung, welches den intakten Bahnhof in früheren Jahren zeigt. Dann hat man einen Bezug dazu, wenn man die aktuellen Bilder aus dem Jahre 2014 betrachtet.

Das waren auch die Gründe, warum über die Bahnstrecke via Canfranc so viele Juden und weitere Verfolgte flüchten konnten, unter ihnen auch Marc Chagall und Max Ernst. Die Deutschen hissten zwar auf der „französischen“ Seite des Bahnhofs ihre Flaggen mit dem Hakenkreuz, jedoch erlangten sie nie die absolute Kontrolle, lag der Bahnhof doch auf spanischer Seite. Die verwinkelte Streckenführung und das schlecht zu beobachtende Gelände, aber auch die Vielzahl der dort sich tummelnden Aktivisten stellten sich als sehr undurchsichtig dar. Maßgeblich in der Verantwortung stand der sog. König von Canfranc, Albert le Lay, der oberste Leiter des französischen Zolls. Ein eher zurückhaltender Mann, der alsbald als Mittelsmann zwischen den Alliierten und der Résistance fungierte. Er war es, der unter den Augen von Franco vielen Juden und Emigranten zur Flucht verholf. Ab und an wird von älteren Besuchern, aber auch von Erzählern aus Canfranc der Vergleich mit Schindler gezogen.

Erzählt wird, dass Hitler sich mit Franco in Canfranc getroffen hat. Man soll über den Angriff auf Portugal, übers Raubgold uvm. geredet haben, doch wahre Zeitzeugen gibt es nicht mehr. Das bleibt wohl unserer Fantasie überlassen, oder besser nicht. Auch der spanische Bahnbetreiber gibt sich sehr verschlossen, außer, dass man den armen Busfahrer verklagte, er habe sich Staatseigentum unbefugt angeeignet. Tja, man kümmert sich jahrzehntelang nicht um den Bahnhof, um dann einen Menschen, der Unterlagen auf öffentlichem Gelände gefunden hat, Ärger zu bereiten.  Übrigens, der Busfahrer gibt die Dokumente gerne an den Staat zurück, so er sich zum Aufkauf des Raubgoldes bekennt. Ein Schelm, wer Böses…. Dass es hier nicht nur ein paar wenige Mitwisser gegeben haben kann, dürfte aus der Tatsache hervorgehen, dass die französischen und die spanischen Spurweiten differierten, alles musste umgeladen werden, auch das Raubgold! Wir versuchten im Sommer 2014 Kontakt zu Jonathan Diaz aufzunehmen, ein Busfahrer und Kollege von ihm teilte uns aber mit, dass er mittlerweile nicht mehr dort arbeitet.

Viel später wurde Canfranc in Teilen noch einmal berühmt, der Bahnhof wurde als Kulisse für den Film „Dr. Schiwago“ genutzt. Den Franzosen war er immer ein Dorn im Auge, zu unrentabel, zu groß, einfach kein Bahnhof und keine Strecke für Frankreich. Willkommen war der Unfall am 27. März 1970. Ein Güterzug, voll beladen mit Mais, entgleiste auf französischer Seite auf der Brücke von Estanguet. Wenige Augenblicke später brach die Brücke zusammen. In einem Bericht im Deutschlandfunk wurde kurz erwähnt, man habe mit einem ehemaligen Rangierer gesprochen, der wohl glaubhaft erzählte, dass sich zu diesem Zeitpunkt kein Bahnbediensteter mehr auf dem ges. Zug befand. Sie seien alle vorher abgestiegen…. So soll es auch dazu gekommen sein, dass niemand verletzt wurde. Dieser Anlass wurde dazu genutzt, auf französischer Seite den Bahnverkehr einzustellen, was bis heute so ist…

Die Bahnhofsanlage verkümmert seit dieser Zeit jämmerlich, sie ist dem Verfall Preis gegeben. Und hier kommen wir wieder auf unsere Entdeckung zurück, unsere ersten Eindrücke aus dem Jahre 1997, die schon schlimm genug waren, aber auch aus 2002, als eine Ausstellung Mut machte. Diese Ausstellung brachte Ergebnisse hervor, wie es mit dem Bahnhof weitergehen kann. Doch auch dies zerschlug sich, bis die spanische Regierung endlich den Mut fand, sich des Bahnhofs anzunehmen. Das Gelände und die Gebäude wurden Renfe abgekauft.  Das Dach wurde aufwändig neu gedeckt.  Dies geschah ab dem Jahre 2006.

Anbei ein paar Bilder aus dem Jahre 2002, wieder ist mehr Verfall zu erkennen.

Die französische Seite. Bäume wachsen durch die Schienen, alles verwahrlost. Das Dach ist an vielen Stellen undicht, die Substanz bröckelt.

Die einfach abgestellten Wagons verrotten zunehmends und niemand kümmerts.

Der einzige Zug aus Spanien fährt ein, der letzte auf dieser Strecke. Das war 2002.

Es fährt kein Zug nach Nirgendwo..... Christian Anders hätte diese Kulisse wählen sollen.

Blick aus der französischen Sicht. Rechts hinter dem Baum der Bahnhof, dahinter zwei Lagerhallen, die letzte halb rund. Wir schauen in Richtung Süden.

Un nuevo Tiempo:

Wir schreiben das Jahr 2014. Das Dach ist mittlerweile neu gedeckt und im Inneren werkeln ein paar Arbeiter, doch, was wird dort gewerkelt? Eine Führung, die wir vorher telefonisch reservieren mussten, zu hoch war der Andrang, brachte es an den Tag. Der Bahnhof verrottet ja seit Jahrzehnten. Die Eisenbahngesellschaft Renfe hat sich darum wenig gekümmert, ihr reichten ein paar Räumlichkeiten und ein Bahnsteig für den geringen Bahnbetrieb aus. Das Gelände und das Gebäude waren frei zugänglich. Sicher, das Bahnhofsgebäude war verschlossen, doch Vandalen fanden immer einen Weg. So wurde immer mehr zerstört, gerade die Fenster und Türen. Das Wetter, allen voran der heftige Winter in Canfranc taten ein Letztes. Schnee und Wasser traten ins Gebäude ein, der Verfall wurde beschleunigt. Das war auch der Grund, warum man das ges. Dach aufwändig erneuerte und sich mit dem Notbehelf zufrieden gab, die eh schon vergammelten Türen aus dem Gebäudeinneren dafür zu nutzen, die offenen Fenster und Türen zu verschließen, um somit dem Wetter keinen Einlass mehr zu geben. Doch auch der wunderschöne Stuck, z.B. in der Haupthalle zu bestaunen, hielt der Feuchtigkeit nicht stand. Er musste abgeklopft werden. Teile davon sind nun sowohl in den Hallen, als auch dahinter ( kurz vor dem Ringlokschuppen ) auf freier Wildbahn zu finden. Der Stuck in der Haupthalle wird nun aufwändig wiederhergestellt, eine Sisyphusarbeit.

Unterstützt wird die Arbeit durch viele freiwillige Helfer, wir trafen eine Gruppe von Studenten, die aus aller Welt anreisten, um bei der Restaurierung behilflich zu sein.

Weiterhin soll ab 2020 der Bahnbetrieb wieder aufgenommen werden, auch von französischer Seite aus. Geplant ist, die Haupthalle bis dahin in Gänze restauriert zu haben, um dort einen Bahnhof zu etablieren. In einem Teil des restlichen Gebäudes soll ein Museum an die Geschichte Canfrancs erinnern. Den Spaniern sieht man das Engagement an, auf französischer Seite haben wir zumindest bis zum August 2014 keine Bestrebungen gesehen, die erkennen lassen, dass man die Bahnlinie wieder eröffnen will. Der Eisenbahntunnel “Tunnel du Somport” soll schon viel früher wieder eröffnet werden, nur liegen auch hier noch keine Gleise…. Ob hier jemals die Ideen umgesetzt werden? Wir glauben da nicht mehr dran……..

Nun haben wir Teile des Bahnhofs kennengelernt. Um die Dimmension nachvollziehen zu können, habe ich mir die Mühe gemacht und einen Plan erstellt, aus der die Streckenführung, sowie die Gebäude deutlich hervorgehen. Zu bedenken gibt es, dass aus mehreren neuen Plänen hervorgeht, dass es angeblich eine Verbindung zwischen den spanischen und den französischen Schienen gegeben haben soll. Das ist rein technisch, auf Grund der unterschiedlichen Spurweiten, nicht möglich, weshalb ich diesen Teil rot markiert habe.

Einfach einen Doppelklick und der Plan wird deutlich vergrößert angezeigt!

Kommen wir zu den aktuellen Bildern aus dem Sommer 2014.

Wieder haben wir vereinzelt die Strecke auf der Hinfahrt fotografiert.

Nun ists soweit, wir waren am Ziel. Es hat einige Veränderungen gegeben, auf die wir noch eingehen werden. Als erstes sieht man, der Zug hält nun nicht mehr am Hauptgebäude, sondern am Gebäude vor dem Bahnhofsgelände, welches umfunktioniert wurde. Nach Plan handelt es sich hier um Gebäude 6. Gleich rechts daneben sehen wir Gebäude 5. Früher war dies der schnelle Durchgang zum Hauptgebäude Nummer 9, heute sammelt man sich hier und kann an einer Führung teilnehmen, doch dazu später mehr.

Schauen wir uns das Hauptgebäude ( Gebäude 9 auf dem Plan ) von der spanischen Seite aus an. Was fällt auf? Das Dach ist wirklich hervorragend erneuert worden, leider hat sich der zeichnende Architekt hier zu sehr ausgelebt. Es gibt dramatische Veränderungen, ob des viel zu große Aufsatzes auf der Kuppe, die neuen Leuchten, oder was auch immer diese türkis scheinenden Objekte darstellen sollen. Das fällt vor allem im Vergleich mit den alten Aufnahmen sofort ins Auge. Das Vordach und alle Beschilderungen wurden entfernt, ein Bauzaun umgibt wohl seit dem Jahre 2006 das Gebäude.

Der ehemalige spanische Bahnsteig. 2014... verlassen, abgebaut, verwittert, ohne Seele...

...und 1997... Welch Unterschied. Ob hier jemals wieder Fahrgäste zu sehen sein werden?

Aber auch auf der französischen Seite siehts nicht besser aus. Wer den Packwagen dort abgestellt hat, wer weiß?

Schauen wir uns die französische Seite näher an. Sofort werden die architektonischen Unterschiede klar und man fragt sich zu Recht, was hat den Architekten denn da geritten?

Dazu das Äquivalent aus dem Jahre 1997. Deutlich sind die Veränderungen am Dach zu erkennen. Sollen diese “Laternen” irgendwann beleuchtet werden, oder wozu dient das? Was soll dieser seltsame Spoileraufsatz über die ges. Dachlänge? Den brauchte man früher auch nicht. Restauration sieht für mich anders aus. In Deutschland wäre das durch den Denkmalschutz verhindert worden. Sowas finde ich immer sehr schade und unnötig. Man restauriert Altes nicht kaputt, sowas tut man nicht.

Nehmt die Architekten bei sowas mehr an die Hand, bitte!

Deutlich zu erkennen, die neu eingesetzten Fenster in der Haupthalle.

Wir drehen uns nach rechts und sehen fast keine Schienen mehr. Die Natur hat sich alles zurückerobert.

Mit Türen aus dem Inneren zugesperrt, oder mit Steinen zugemauerte ehemalige Ein- und Ausgänge. Hier griff man zu billigen Mitteln, um Witterung und Vandalen aus dem Gebäude fern zu halten. Wo das Geld fehlt, muss improvisiert werden, leider fehlen dann wieder die orig. Baumaterialien für die Restauartion der Innenräume. Pest oder Cholera....

Auf der ehemaligen französischen Seite steht noch heute ein Modell des Daches, des Daches des Architekten, nicht des ursprünglichen Bahnhofs.

Hier sieht man deutlich das innen befindliche Gerüst auf dem, zumindest als wir dort waren, zwei Arbeiter versuchten den Stuck wiederherzustellen. Fertigstellung 2495;-))

Wir schauen gen Norden. Hier sehen wir weitere Gebäude und Hallen, im Vordergrund Gebäude 17 und 18 ( das Größere ). Am Besten den Plan in der Vergrößerung in einem extra Fenster des Browser offen halten, so wird schnell klar, wo wir uns befinden.

Im Hintergrund auf dem Berg sieht man das Fort de Coll de Ladrones, welches extra zum Schutze des Bahnhofs erbaut wurde. Man hatte in Canfranc Angst vor einer französischen Invasion.

Wir gehen näher an Gebäude 18 heran. Auch hier wird der Verfall deutlich.

Werfen wir ein paar Blicke in das Gebäude 8, welches sich gleich im Anschluss südlich am Hauptgebäude befindet. Auch dieses Gebäude ist stark zerfallen, die Türen aufgebrochen, das Dach zu Teilen nicht vorhanden. Und dennoch finden wir auch hier wieder Räume vor, die aussehen, als ob sie bei einem Alarm fluchtartig verlassen wurden. In anderen Räumen lagern ausgebaute Türen aus dem Hauptgebäude.

Wir gehen durch die vor uns liegende Türe und befinden uns wieder auf der spanischen Seite, zwischen Gebäude 7 und 13. Dort verweilt ein Waggon und nimmt zunehmends die Färbung des Rostfraßes an. Der dahinter befindliche Güterwaggon ist schon mächtig verfault.

Wir gehen zurück und betreten Gebäude 7, diese der Strecke angepasste halbrunde Lagerhalle.

Und was finden wir dort? Unmegen an alten Heizkörpern, Türen und Beschilderungen, u.a. auch das Schild, welches auf spanischer Seite am Bahnsteig anzeigte, welchen Bahnhof die Reisenden gerade anfuhren....

Zum Vergleich noch einmal der ursprüngliche Platz des Schildes aus dem Jahre 1997.

Ein paar Tage später war dort plötzlich die Tür verschlossen. Niemand sieht nun mehr das Schild von Canfranc, welches früher so präsent anzeigte, wo man sich als Reisender befand.

Wir gehen wieder auf die spanische Seite des Gebäudes und weiter Richtung Gebäudeende, in die Nähe des rostigen WaggSSD 31 08 2014ons.

Ein Blick zurück auf Gebäude 8:

Was ist nur in diesem Gebäude versteckt? Auch Waggons, auch verschmutzt, mit Farbe verschmiert und runtergekommen.

Ein Blick zurück, dann gehts weiter Richtung Süden.

Wir befinden uns nun am südlichen Ende von Gebäude 7 und schauen nach Osten. Relikte vergangener Zeit tun sich überall auf.

Ein paar Schritte weiter nach Osten. Ein Blick auf die Gebäude 13 und 19, eigentlich der offene Verladebereich des Güterverkehrs. Vorgelagert, einer der Drehkräne.

An diesem Tag beenden wir unsere Erkundungen in Canfranc. Das sollte aber nicht der letzte Besuch in diesem Urlaub sein, wir sind noch zwei Mal nach Canfranc gefahren, es gibt einfach zu viel zu erblicken.

 

Folgen sie uns im Teil 2 zum Thema Canfranc Estacion.