Canfranc 3
Canfranc 2

Tja, eigentlich hatten wir das an dem Tag nicht vor. Während wir auf eine Grotte in der Nähe von St. Betrand de Comminges fuhren, war da doch dieser innerliche Reiz, noch einen dritten Tag im Sommerurlaub 2014 nach Canfranc zu fahren, um eine Führung mitzumachen und sich endlich ausgiebig um den Ringlokschuppen zu kümmern. Der war bis dato zu kurz gekommen. Gesagt, getan. Gut, dass es Smartphones gibt. Wir haben im Internet die Rufnummer rausgesucht und meine Frau, sie spricht fließend spanisch, hat eine Führung für 17:00 Uhr gebucht. Perfekt. Also gings nach dem Besuch der Grotte wieder nach Canfranc.

Wir betraten abermals das Gelände, liefen zwischen den Gebäuden 1 und 7 entlang, um danach einen Pfad nach links einzuschlagen. Vorbei an einer weiteren Bauruine, die schon sehr verfallen war, an mehreren Haufen weissen Gesteins. Bei näherer Betrachtung stellte sich das als Teil des Stuckes aus der großen Halle im Hauptgebäude dar. Wir waren sprachlos.

Ein kurzer Blick zurück, in Richtung des großen Krans vor Gebäude 21, dann schritten wir weiter nach Süden, in Richtung Ringlokschuppen, auf dem Plan das Gebäude Nummer 26 und 27. Wobei 27 hier nur bedeutet, dass an dieser Stelle der Lokschuppen nach hinten verlängert wurde.

Links des Weges das Gebäude Nummer 29, welches zum Aufenthalt der spanischen Bahnbesatzung diente. Wir schauen uns das später noch etwas näher an.

Ein Ringlokschuppen, eine Drehscheibe, aber wo? Es geht noch ein Stück geradeaus...

Endlich, die Drehscheibe wird sichtbar, dahinter der Ringlokschuppen.

Leider haben wir die Drehscheibe nicht in Bewegung bekommen, obwohl wir zu zweit an beiden Kurbeln kräftig gedreht haben. Die Laufschienen sahen aber aus, als ob die letzte Bewegung noch nicht all zu lange her gewesen war.

Wir betreten den Lokschuppen. Im Bild deutlich zu sehen, die Verlängerung der ersten beiden Einfahrten zum Gebäudeteil 27.

Hierzu ein Quicktime-Panorama. Es startet von selbst und geleitet sie durch den Raum. Mit dem Betätigen der + und - Buttons können sie sich in die Tiefen des Raumes zoomen.

Wir schauen uns den Rest vom Lokschuppen ( Gebäude 26 ) an. Schneeräumer liegen zu Hauf herum, ein Indiz für den harten Winter in Canfranc. Er war ausschlaggebend für die Pflanzung der vielen Bäume um den Bahnhof herum, die ihn vor Lawinen schützen sollten.

Und noch ein Quicktime-Panorama. Es startet ebenfalls von selbst und geleitet sie durch den Raum. Mit dem Betätigen der + und - Buttons können sie sich in die Tiefen des Raumes zoomen.

Er ist auch noch im letzten Winkel dieser Erde präsent....

Es wird Zeit sich vom Lokschuppen loszureißen, die Führung im Hauptgebäude steht bald an. In unmittelbarer Nähe des Lokschuppens finden wir noch eine alte Bewässerungsanlage für die damals genutzten Dampfloks. Im Unterschied zu den Franzosen, die die komplette Strecke elektrifiziert hatten, war dies auf spanischer Seite nicht der Fall!

Wieder waren zwei Gebäude seitenverkehrt aufgeteilt. Gebäude 28 zur Lagerung und 29 als Unterkunft. Auch der Baustil ist identisch! Schauen wir in Gebäude 29 herein, es diente den spanischen Bahnbediensteten als Unterkunft, auch hier mit einer Küche.

Der Abschluss naht, der letzte Teil des dritten Tages in Canfranc, wir nehmen an einer Führung durch die Haupthalle teil. Im nachfolgenden Abschnitt zeigen wir auch Bilder aus 1997, um den Vergleich zum Jahre 2014 herzustellen.

Wir sammelten uns im Gebäude 5 und erhielten Hygieneabdeckungen und Helme für unsere Köpfe. Dann gings auch schon die Marmortrette hinunter in den ersten Unterführungsgang, der direkt in die Haupthalle führt. Dieser ist nun modernisiert, trotzdem gibts auch hier wieder einen Wasserschaden.

Zum Vergleich, die gleiche Unterführung im Jahre 1997. Auch hier wurde modernisiert und nicht restauriert. Auffällig, es ist an der selben Stelle feucht....

Wir schreiten durch den Gang, die Treppe nach links hinauf und betreten die große Halle. Wir sind schockiert, was war denn hier passiert? Der meiste Stuck fehlt, das Geländer der Marmortreppe wurde dilletantisch geflickt. Hier hatte man einfache, gerade geschnittene Säulen, statt der defekten, toll verzierten Säulenelemente ins Geländer verfrachtet. Auch die Schalterverblendungen aus edlen Hölzern, bei genauerem Hinsehen scheinen hier auch nicht mehr alle vorhanden zu sein.

Hatte man uns in Gesprächen außerhalb darauf hingewiesen, dass die Arbeiter bei der Sanierung des Daches einfach den ganzen Stuck von den Wänden gehauen haben, was uns unsinnig erschien, so erklärte man uns bei der Führung, dass der Stuck aus Sicherheitsgründen abgeklopft werden musste. Er war brüchig und lose, so dass die Gefahr bestand, dass er herunterfiel. Man baut den Stuck nun mühevoll nach.

Doch schauen wir uns die Halle im Vergleich einmal an, zuerst in 2014.

Und 1997. Hier sehen wir am rechten Geländer die damals schon erneuerten Marmorelemente, sie sind deutlich heller.

Im nächsten Bild deutlich zu erkennen, wie dilletantisch hier einfache Marmorelemente, statt der aufwendig verzierten Säulen eingesetzt wurden. Auch das versteht man nicht unter Restauration. Die Schalter sind allesamt angeschliffen und stehen unsortiert herum.

Noch einmal 1997. Ob man das je so wieder zu sehen bekommt?

An der südlichen Wand siehts noch katastrophal aus....

An der gegenüber befindlichen, nördlichen Wand wird bereits gearbeitet. Wir haben in den drei Tagen unseren Besuches zwei Arbeiter gesehen, die dort an einem Tag arbeiteten. Das wird wohl noch lange dauern.

Malen nach Zahlen, ähm, man stellt den Stuck an Hand von Bildern wieder her.

Und so sieht der Verfall des Stucks im Detail aus.

Der Sicherungs”kasten”, immer noch an der selben Stelle, wie im Jahre 1997.

Hier sieht man noch sehr schön die Abdrücke, an denen ursprünglich mal ein Schalter gestanden hat.

Wir treten aus dem Gebäude heraus. Deutlich sieht man die provisorische Verschließung der Eingänge mit Türen aus dem Gebäude, die einfach übereinander vor die Öffnungen gezimmert wurden. Wenn die dafür taugen, dann auch für eine Restaurierung, oder?

Immer genau hinschauen, Glas sieht anders aus.

Die Führung wird übrigens in spanischer Sprache vorgetragen. Unsere junge Begleiterin hatte ein Organ, unglaublich. Sie sprach mit gefühlten 120dB und das vollkommen unangestrengt!

Nunja, auch dieser Tag ging irgendwann zu Ende und drei Besuche Canfrancs in einem Urlaub mussten dann auch irgendwann genügen, obwohl es noch Einiges zu erkunden gibt!

El Resumen:

Wir hätten 1997, bei unserem ersten Besuch in Canfranc, die geschichtliche Tragweite dieses Ortes nicht erahnt. Je mehr wir uns mit diesem Ort beschäftigten, je mehr Informationen wir aus dem Internet erlasen, teils mit Übersetzungen aus dem Spanischen heraus, je mehr Filmmaterial und Berichte wir sichteten, desto intensiver wurde das Verlangen hier noch mehr zu entdecken, diesen Ort genauer zu untersuchen und alles zu dokumentieren. Wir haben uns vorgenommen, in den nächsten Jahren einen weiteren Besuch dieses magischen Ortes vorzunehmen.

Die Recherchen, die Bearbeitung der Aufnahmen, das Schriben des Textes, sowie die Besuche haben ca. 100 Stunden in Anspruch genommen.

Wir hoffen, der Bericht hat ihnen gefallen.

Neuigkeiten aus Canfrac und was für welche! Unsere Bilder vom August 2014 zeigten ja die Restaurierung der Empfangshalle. Nun ist eine der Wänder schon fertig gestellt! Das hätte wir nie erwartet!!!!! Schaut euch das an, klasse!

Ich meine gerade dieses Bild.